… nur weil ich eine Frau bin?

Einige meiner Freundinnen und Bekannten kennen dieses Phänomen ebenfalls. Man arbeitet in einem männerdominierten Beruf und muss sich seinen „Platz“ hart erkämpfen. Dabei erlebt man echt kuriose Dinge.

Der Vertreter auf unserem Hof

Ein Vertreter kommt auf unseren Hof und möchte meinen Vater sprechen. Mein Vater war unterwegs und der Vertreter ziemlich deprimiert, dass er nicht da ist. Er konnte mir sein Anliegen nicht mitteilen und irgendwie war diese Situation ziemlich komisch. Auf meine Frage, was er hier möchte und wie ICH ihm weiterhelfen kann, sagte er, dass er sich lediglich bei meinem Vater vorstellen möchte.

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Der erste Eindruck zählt ja bekanntlich sehr viel und wenn ich mich auf einem Betrieb als Vertreter vorstellen möchte und im ersten Satz sage: „Schade, dass Herr Greggersen nicht da ist, ich möchte mich einfach nur mal vorstellen“, hat die Vorstellung gut geklappt (Ironie). Natürlich kann der Vertreter nicht wissen, dass ich in nächster Zeit den Betrieb übernehmen werde, dafür kann er trotzdem den Frauen auf dem Hof sein Anliegen mitteilen. Ich habe mich nur gefragt, was ihm in dieser Situation seine zwei Mastertitel helfen und ob das nur so war, weil ich eine Frau bin? Auf jeden Fall darf er seine Produkte woanders verkaufen.

Meine Mutter kennt solche Geschichten zu genüge. Sie hat denn immer zu meinem Vater gesagt, dass er auf keinen Fall bei diesem Vertreter etwas kaufen soll! Man darf nicht vergessen, die Frauen haben ebenfalls viel auf dem Hof zu sagen 😉

Das Treckerfahren

Wenn ich irgendwo bei der Maisernte helfen wollte, bekam ich doch die eine oder andere Absage, weil ich eine Frau bin. Einige Jungs wurden im Gegensatz zu mir sofort genommen, überzeugten so extrem, dass sie schnell wieder zu Hause waren.
Nach einiger Zeit fand ich ein Lohnunternehmen, die mir eine Chance gaben. Bis heute fahre ich in der Maisernte bei diesem Unternehmen mit, aber ab und zu sind einige Landwirte sehr skeptisch, sodass gelegentlich in meiner Anwesenheit gefragt wird, ob die Frau das wirklich könnte. Ja, diese Frage wurde wirklich gestellt,  weil ich eine Frau bin.

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Wieso sollten Frauen schlechter Treckerfahren als Männer?

Ach, ich könnte diese Geschichten noch um einiges weiter erzählen… Skeptisch begutachtet werden, wenn man mit einem Anhänger rückwärts irgendwo hin stoppen soll… Schief angesehen werden, wenn man mit einem 936 durch die Gegend fährt…

Ich kenne einige Landwirtinnen und andere Frauen, die ähnliches erlebt haben. Was ich nicht verstehe ist, warum trauen viele Männer es den Frauen nicht zu?

Aber es gibt auch positive Beispiele.

Einer meiner Chefs konnte nie verstehen, warum Frauen so skeptisch betrachtet werden. Die können es schließlich genauso gut wie Männer. Mein anderer Chef sagte immer, dass Betriebsleiter, die Frauen keine Chance geben, sich automatisch um 50 % des Potenzials bringen.

Auch gibt es Landwirte, die sich sehr dazu freuen, wenn Frauen bei denen zum Mais fahren kommen.

Lasst euch nicht verunsichern. Neid muss man sich erarbeiten 😉

Mittlerweile denke ich, dass ich mir meinen Platz und die Anerkennung erkämpft habe. Es war nicht immer unbedingt einfach…  Ich frage mich aber trotzdem, ob es dieses Phänomen auch in frauendominierenden Berufen gibt. Geht es den Männern ähnlich wie den Frauen in männerdominierenden Berufen?

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Es lohnt sich seinen Weg zu gehen.

Anderen Frauen möchte ich sagen, es lohnt sich seinen Weg zu gehen und sich nicht durch solche Situationen zu verunsichern oder davon abringen zu lassen. Für meinen Teil weiß ich eins gewiss: Ich liebe meinen Job und da können mich noch so viele kritisch ansehen. Ich ziehe es durch und wenn ich dafür mit dem Kopf durch die Wand gehen müsste.

3 Gedanken zu “… nur weil ich eine Frau bin?

  1. Merkwürdige Branche. Ohne die Frauen läuft auf den Höfen derzeit nichts. Frauen, meist besser ausgebildet, motivierter und teamfähiger … . Die Chance lässt sich die Branche entgehen? Dämlich

    Gefällt 1 Person

  2. Moin Agnes,
    solche Berichte höre ich häufig, und nicht alle Frauen sind so selbstbewust wie Du, dass sie damit umgehen und sogar drüber lachen und schreiben können. Deswegen: weiter so und nicht unterkriegen lassen. Und: wenn Du mal Lust hast, als Betriebshelferin zu arbeiten, ruf‘ mich an!
    Ja und dann ist da noch unsere Blogseite, die in den nächsten Tagen online geht: http://www.maschinenring.land Ich würde mich freuen, wenn ich einige Deiner erfrischenden Beiträge übernehmen dürfte.
    Herzliche Grüße aus Hannover Uwe Weddige

    Gefällt 1 Person

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