Alternativen zum Schlachten?

Gestern habe ich zwei Kühe verkauft. Wenn die Kühe keine Milch mehr geben, gehen sie zum Schlachter. Auch wenn es mir nicht leichtfällt, natürlich würde ich gerne alle Kühe behalten, aber es gehört trotzdem zu meinem Job. Ich muss Tiere verkaufen, sonst würde mein Stall aus allen Fugen platzen.

Also was habe ich für Alternativen?

Bei dem Schlachten einer Kuh bekomme ich einen sogenannten Schlachterlös. Die Höhe ist abhängig vom Marktpreis für Rindfleisch und der Klassifizierung des Fleisches. Die Klassifizierung wird in die E-U-R-O-P- Klassen, die sich auf den Fleischanteil beziehen, und in den Anteil des Fettgewebes von 1-5 eingeteilt. Je höher der Fleisch- und Fettanteil ist, desto höher ist der Schlachterlös.

Keine Milch = kein Schlachten?

Ohne die Milchproduktion hätten wir unsere Kühe gar nicht. Ein Hund könnte mit einem zusammen in einer Zwei-Zimmerwohnung wohnen. Bei einer Kuh sieht dies schon schwieriger aus und wer möchte schon eine Kuh mit im Haus haben? Also würde es Nutztiere schlicht weg einfach nicht geben!

Ein Gnadenhof oder Lebenshof eröffnen?

Ich sehe ab und zu in den Sozialen Medien Aufrufe zum Tiere retten. Häufig sind es Vereine, die einen Gnadenhof oder Lebenshof betreiben. Die geretteten Tiere leben bis an ihr Lebensende auf dem Hof. Dann frage ich mich immer, ob man länger als bis an das Lebensende leben kann…

Aber mir scheint es ganz einfach: Standort suchen, Verein gründen, Tiere freikaufen und Patenschaften vergeben. Ok. Den Standort und die Tiere habe ich bereits. Dann müsste ich nur noch einen Verein gründen und Patenschaften vergeben. Das dürfte ja nicht so schwierig sein…

Also ein Kälbchen retten kostet 500 € und dann 90 € im Monat für eine Vollpatenschaft. Natürlich gehen können auch Teilpatenschaften vergeben werden. Bei einer Kuh kostet der Freikauf 1600 € und rund 100 € für die Verpflegung im Monat. Auch hier können wieder mit Teilpatenschaften geholfen werden. (Diese Zahlen habe ich auf den Seiten der Lebenshöfe auf Facebook und den entsprechenden Homepages gefunden.)

Aber was ist, wenn eine Kuh krank wird oder ich mehr Futter benötige. Auch den Radlader oder Trecker für das Misten und Füttern darf ich nicht vergessen…  Ich bin auf das Geld meiner Spender angewiesen, denn eine Kuh lebt auch nicht von Luft und Liebe und ich hätte keine anderen Einnahmen, da ich keine Milch und Schlachtkühe verkaufe.

Spendenauruf für Futter auf dem Lebenshof

Dieses Bild ist ein Beispiel für einen Spendenaufruf. Alle Namen der Spender werden selbstverständlich mit der Höhe der Spende auf der Facebookseite genannt. Ich habe die Namen und weitere sensible Daten geweißt. (www.facebook.de)

Der Lebenshof ein lukatives Projekt

Wenn ich mir das so überlege, dann ist dieses Projekt sehr lukrativ. Wir haben 120 Kühe und für jede erhalte ich Spenden in Höhe von 100 € im Monat, denn sind das 12.000 € im Monat. Dazu haben wir 60 Kälber und Jungtiere für die es 90 € pro Monat gibt, dann sind das 5.400 €. Also verdiene ich 17.400€ im Monat. Das ist mehr, als was ich mit dem Verkauf unserer Milch verdiene… Jedoch bin ich auf die vielen Spenden gutmütiger Menschen angewiesen. Die unterschiedlichen Lebenshöfe, die ich mir im Netz angesehen habe, liegen alle in Gegenden, wo viele Menschen leben.

Ich könnte natürlich auch meine ganzen Kühe, die zum Schlachter sollen, an den Lebenshof verkaufen. Damit würde ich mehr verdienen, als wenn ich meine Kühe zum Schlachter bringe. Auch bei den Bullenkälbern würde ich mehr verdienen, als wenn ich sie an unseren Viehhändler verkaufe…

Also einmal zusammengefasst: Ich würde um einiges mehr mit dem Lebenshof verdienen, bin jedoch von den Spenden gutmütiger Menschen abhängig. Außerdem hätte ich den falschen Standort. Bei einigen Lebenshöfen frage ich mich auch, ob die Tiere es wirklich besser haben als in der bösen, bösen Massentierhaltung.

Einfach nur Einschläfern?

Neben dem Schlachten könnte ich die Tiere einfach nur einschläfern. Nach dem Tierschutzgesetz dürfen Tiere nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden. Also darf ein Tier, nur weil man es los werden möchte, nicht einfach Eingeschläfert werden… (https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/__4.html)

Gibt es eine vernünftige Alternative?

Wenn ich Milch trinken und Fleisch essen möchte, gibt es keine Alternative zum Schlachten. (Bitte verstehen Sie es nicht falsch, die Kuh stirbt nicht für die Milch, sondern am Ende ihrer Karriere. Jedoch entscheide ich als Landwirtin über das Ende der Karriere).

Wenn ich keine Milch trinke und kein Fleisch esse, gibt es keine Kühe, Schweine und andere Nutztiere. (Auch wenn einige Leute sich Kühe, Schweine oder andere Nutztiere als Haustier halten würden, wäre unsere Artenvielfalt sehr eingeschränkt).

Wenn nun alle landwirtschaftlichen Betriebe zum Gnadenhof werden, wird es mit der Finanzierung sehr schwierig…

Für mich persönlich kommt keine der Alternativen in Frage…

Ein Gedanke zu “Alternativen zum Schlachten?

  1. Liebe Angeliter Deern,

    Ich bin ebenfalls aus den genannten Gründen deiner Meinung. Es gibt sicherlich auch viele Menschen, die eine andere Meinung haben und das ist in gewissem Maße auch gut so. Allerdings fällt mir immer wieder auf, dass der Bezug zur Landwirtschaft und das Wissen, wie unsere Lebensmittel entstehen, immer weiter verloren gehen. Leider!

    Ich komme selber von einem landwirtschaflichen Nebenerwerb. Wir haben bis vor 2 Jahren immer noch selbst mit einem Schlachter aus dem Dorf unsere Schweine geschlachtet. Von klein auf bin ich mit den Tieren groß geworden und es gehört einfach dazu, sie im Winter zu schlachten und zu verarbeiten.

    Ich finde, dass es gerade heutzutage immer mehr gegenläufige Strömungen gibt. Auf der einen Seite wird oftmals – etwas überspitzt gesagt- unser Tun als Landwirte sehr verteufelt. Begriffe wie Massentierhaltung, Ausbeutung zu Lasten der Tiere o.ä. kommen einem da häufiger zu Ohren.
    Auf der anderen Seite gibt es die Menschen, die sozusagen back to the roots wollen. „Nose to tail“- Bewegungen, Patenschaften für das später extra für sie geschlachtete Schwein oder Kleingärtenvereine erleben sozusagen einen echten Boom. Sie alle haben mehr oder minder die gleiche Intention: sie wollen wissen, wo ihre Nahrung her kommt und es mit eigenen Händen fühlen. Dass ich manches etwas arg gehyped finde, okay. Schließlich gab es die „Nose to tail“- Bewegung schon zu Omas Zeiten, denn da wurde auch so gut wie alles vom Tier verwendet. Andersherum finde ich es aber so wichtig, dass Menschen wie du liebe Angeliter Deern euch die Arbeit macht und erklärt, wieso weshalb warum man dieses oder jenes in der Landwirtschaft macht. Also, weiter so und immer munter bleiben!

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