Moderner Ablasshandel

Mir kommt es so vor, als wenn jeder ein reines Gewissen haben und eine zukunftsfähige Welt schaffen möchte. Das sind auch keine schlechten Ziele. Jedoch bin oft über die Umsetzung erstaunt.

Die Möhre und die Aktivisten

Ganz aktuell können wir überall von der „Ende Gelände“ – Demo gegen das Kohlekraftwerk lesen. Dort wurde der Klimaschutz über den Umweltschutz gesetzt. Auch wurden gesellschaftliche Werte und Tugenden verletzt.

Sobald ich auf Twitter Kritik an der Entschädigung, die „Ende Gelände“ den betroffenen Landwirten zahlen möchte, übte, bekam ich erheblichen Gegenwind von den Befürwortern (wenn dies überhaupt das richtige Wort ist). Ok, teilweise wird man sogar „auseinander“ genommen. Ich habe mich getraut „die Guten“ zu kritisieren. Dabei finde ich es wichtig zu hinterfragen, ob mit den Landwirten im Vorwege besprochen wurde, dass diese Aktivisten durch ihre Felder laufen oder nun im Nachhinein gesagt wird, dass der Landwirt eine Entschädigung erhält.

Ähnliches ist bei der „Friday for Future“ (FFF) – Bewegung  zu erkennen. In unterschiedlichen Facebookgruppen rund um Kappeln wurde öfters die FFF-Demo beworben. Wehe jemand kritisierte das Schule schwänzen oder den zugemüllten Hafen, der bekam sehr viel Gegenwind von den Befürwortern. Diese Thematik wirft so viele Fragen auf, da könnte ich fast einen extra Blogbeitrag zu machen…

Auf jeden Fall darf man „die Guten“ nicht kritisieren. Die sorgen für mein reines Gewissen, denn die setzen sich für die Umwelt und den Klimaschutz ein. Ja, sie retten unsere Welt!

 

Das Vielfliegen und der Urlaub

Mit dem Flugzeug in den Urlaub ist schon ein Muss. Dabei sagen einige, dass Flugzeuge der Klimakiller Nr.1 sind. Damit ich Urlaub und Klimaschutz unter einen Hut bekomme, gibt es Anbieter, die meinen CO2-Ausstoß kompensieren. An sich eine gute Sache. Von einigen habe ich auch schon öfters gehört, dass sie diese Angebote wahrnehmen.

Ich habe für euch mal ein Beispiel herausgesucht: Ich bin im letzten Jahr nach Amerika geflogen, habe dort eine Exkursion gemacht um die Landwirtschaft in den USA näher kennen zu lernen. Für die Strecke müsste ich 95 € Kompensationsbetrag bezahlen.

Ja, ich weiß, wofür dieser Beitrag ist. Ich kann weiterhin fliegen und beruhige mein Gewissen, denn ich habe für Klimaschutzprojekte gespendet.

 

Der tote Vogel

Unsere ehemaligen Nachbarn haben zwei Katzen. Es liegt in der Natur einer solchen Katze zu jagen. Einige Katzen haben einen größeren Jagdinstinkt, andere einen geringeren Jagdinstinkt.

Wenn deren Katze einen Vogel fing, dann haben sie immer 5 € an den NABU gespendet. Mit dieser Spende werden hoffentlich unterschiedliche Projekte gefördert. Auch hat der NABU gute Tipps für Katzen- und Vogelliebhaber

Auf jeden Fall meinen unsere Nachbarn mit dieser Spende etwas für die Artenvielfalt gemacht zu haben. Ihr Gewissen wurde mit dieser Spende gewiss beruhigt. Den Vogel macht dies leider auch nicht wieder lebendig…

 

Der wahre Umweltschützer

Unser Nachbarsjunge kam vor einigen Wochen nach Hause und erzählte seiner Mutter, dass er nun, so gut wie es geht, auf Plastik verzichten möchte. Hier bei uns auf dem Dorf ist es nicht so einfach. Wir haben keine Unverpackt-Läden oder ein Pfandsystem an der Fleischtheke. (Also noch nicht, wer weiß was kommt…)

Seine Mutter und er haben sich dazu Gedanken gemacht und versuchen nun dort Plastik zu sparen, wo es möglich ist. Der Jogurt mit der Ecke wurde durch Jogurt aus dem Glas und Toppings in größeren Einheiten ersetzt, d.h. jeder kann sich morgens seinen Jogurt mit der Ecke selbst zusammenstellen, ohne dass bei jedem ein Plastik-Jogurtbecher anfällt.

Der Pudding wird nun selbstgekocht und in Gläser gefüllt. Bis zu einer Woche hält der Pudding im Kühlschrank. Es gibt noch weitere Umsetzungen von unserem Nachbarsjungen und seiner Mutter.

Für mich ist er der wahre Umweltschützer. Er redet nicht nur davon oder spendet, sondern versucht selbst einen Teil dazu beizutragen, indem er sein eigenes Verhalten ändert.

 

Was mache ich?

Ich bin ein Mensch der Taten. Ich versuche ebenfalls dort auf Plastik zu verzichten, wo es möglich ist. Also keine Plastikmüllbeutel, keine Plastikeinkaufstaschen, Mehrwegflaschen, Tupperdosen, usw.

Ich fliege nicht viel und versuche es so selten wie möglich zu machen. Für meine bessere CO2-Bilanz habe ich etwa 40 Eichen gepflanzt. Bäume sollen sich bekanntlich positiv auf dieses CO2 auswirken. Aktuell wohnt meine Eichenplantage noch hinter meinem Haus. In diesem Herbst möchte ich meine Eichen „auswildern“, d.h. ich werde sie bei uns im Knick einpflanzen.

Den Konflikt zwischen den Katzen und den Vögeln kann ich nicht komplett umgehen. Auch unsere Katzen fangen Vögel. Aber dafür beherbergen wir sehr viele Schwalben und Spatzen in unserem Stall und an unserem Haus und einige Meisen wohnen in unseren Vogelhäusern.

Ja, ich könnte noch so viel mehr machen, um die Umwelt und das Klima zu retten. Es ist auch in meinem Interesse, dass nachfolgende Generationen auf unserer Erde leben können. Ich gebe mein bestes dafür und fange bei mir selbst an.

Fazit

Nun habe ich hier viel kritisiert und von einem reinen Gewissen gesprochen. Ich habe bewusst den Titel „moderner Ablasshandel“ gewählt. Früher wurden Ablassbriefe verkauft, damit die Menschen sich von ihrer Südenschuld befreien konnten.

Heute spenden die Menschen, damit sie die Welt retten. Ich muss gestehen, dass ich kein großer Freund von Spenden bin. Ich weiß nie, ob meine Spende wirklich dort ankommt, wo sie ankommen soll. Mir kommt es so vor, als wenn die Spenden alternativ zur Änderung des eigenen Verhaltens gesehen werden.

Auch dürfen die „Guten“ nicht kritisiert werden. Alles was die „Guten“ machen ist einfach wichtiger, als das was der Einzelne macht. Sei es aktuell die Demo gegen Kohle oder die Fridays-for-Future-Demo. Die pauschal auch nicht schlecht sind, aber es muss auch Kritik erlaubt sein, ohne dass man „zerfleischt“ wird.

Es ist nicht alles gut, was vermeintlich die Umwelt und das Klima rettet.

Ich möchte euch nicht vorschreiben, wie euer Beitrag zum Klima- und Umweltschutz aussieht. Diese Entscheidung überlasse ich gerne jedem selbst. Ich möchte mit meinem Text ein wenig Kritik an diesem Spendensystem und den pauschalen „Guten“ üben. Auch ich möchte sagen, dass jeder von uns im Kleinen bei sich selbst anfangen und gutes tun kann. Wenn jeder ein bisschen macht, dann ist es ebenfalls eine große Menge.

2 Gedanken zu “Moderner Ablasshandel

  1. Leider habe ich keine Möglichkeit, 40 Bäume (einige Tännchen wohl, die aber nicht viel mehr als Weihnachtsbaumgröße erreichen werden – mangels Platz), 40 Eichen zu pflanzen, haben wohl allgemein wenige. Aber vieles wächst in meinem Garten. Und natürlich versuche ich wenig Ungutes, wenig Gift einzusetzen. Muß die Nacktschnecken also händisch verfolgen, wofür mich selbst Angehörige kritisieren… Dann bin ich draußen unterwegs, ärgere mich oft über Beschränkungen, selbst dann wenn ich sie einsehe – und rege mich über die auf, die sich regelmäßig und rücksichtslos drüber hinwegsetzen und mitten durch die Dickung radeln, mitten durch die ungemähte Wiese trampeln, womöglich noch Nachts die Tiere mitten in den Unterständen aufstören, weil sie beispielsweise einen unglaublich wertvollen Schatz suchen müssen. Ja, es hat immer zwei Seiten und ja, es geht gar nicht einen bestellten Acker zu queren, es sei denn man hat keine Wahl (ich denke da an einen möglichen Polizeikordon mit diversen deeskalierenden Werkzeugen ausgerüstet). Aber leider: ein Haufen Menschen wird immer noch rücksichtsloser sein, als Einzelne, noch zerstörerischer und noch umweltschädlicher. Nicht der einzige Grund, warum ich Demonstrationen nicht gern aus der Nähe erlebe, genau so wenig wie andere Massenansammlungen. Aber auch der Einzelne wirft seinen Müll oft genug einfach weg, oft genug mit Absicht. Ja, was bringt uns eigentlich die angeblich umweltverträgliche Zukunft, also diese Zukunft mit den Batterieautos mit den großen, vielen Batterien aus höchst umweltkritischen Materialien, die Kinder irgendwo in der dritten Welt aus dem Boden kratzen, (auch den Landwirten mit ihrer Unsitte, die Landschaft mit riesigen Plastikrollen zu verunzieren), werden die überall aushängenden Tüten für das natürlichste, den Hundescheiß, in Bälde eßbar sein? Kurz und gut, es wird schwierig bleiben oder andersrum, der Mensch ist ein höchst negativer Umweltfaktor, das ist schlicht so. Und etwas Show – so wie schon geschrieben gewisse sogenannte Tierschützer – geht immer. Am einfachsten.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s